
Über die Sinnhaftigkeit eines Printmagazins, das digitale Medien wie Hörbuch- und Hörspiel-CDs rezensiert, wurde und wird in der Szene seit jeher kontrovers diskutiert. Mut ist, wenn man es trotzdem macht. Auch deshalb gebührt dem “hörBücher-Magazin”, das mit der ersten Nummer am 18. Mai gestartet ist, eine intensive Auseinandersetzung.
Der erste Eindruck: Beim Durchblättern des grafisch sehr gelungenen Heftes fällt auf, dass sich die Macher richtig Mühe gegeben haben. 100 Rezensionen zu (nicht immer ganz taufrischen) Hörbüchern und -spielen, Porträts von Hörspielproduzenten und Interviews mit Sprechern wie Andreas Fröhlich sowie (ja!) ein Blick ins Internet - das ist schon ein ganz ordentliches Paket. Zusätzlich gibt’s für 4,50 Euro noch eine CD mit insgesamt drei gelesenen Kurzgeschichten und Hörproben zu diversen Werken.
Der genaue Blick: Gepflegt werden von Beginn an die Hintergrundgeschichten zur Szene mit Interviews und Geschichten, die eben nicht so einfach von Hobby-Hörspielhörern recherchiert werden können. Die Rezensionen sind allesamt nett geschrieben, allerdings fragt man sich zumindest bei den gut bewerteten Medien, warum zum Teil Punkte in der 6-Platten-Skala abgezogen wurden. Im Text findet man hierzu jedenfalls keinen Hinweis. Verrissen wird zum Glück auch mal, so entledigt sich der Titel dem Vorwurf der Vorteilsnahme, die ja immer nahe liegt, weil sich auch dieses Heft nur durch Anzeigen finanzieren kann!
Völlig unverständlich ist mir, warum zur Vorstellung von Hape Kerkelings Hörbuch “Ich bin dann mal weg” auf fast einer Seite die “zehntägige Erlebnisreise” eines Kieler Veranstalters auf dem Jakobsweg ausführlichst präsentiert wird. Den Hinweis “Anzeige” suchte ich jedenfalls vergeblich!
Genau so etwas wird eingefleischte Hörbuchfans, die noch ausschließlich das Internet zur Information nutzen, vom Kauf eines solchen Heftes abhalten. Mehr Vertrauen schenken sie da schon den eigenen Bewertungen. Stark kann das Magazin deshalb nur werden, wenn es hält, was es auf der Titelseite verspricht: Nämlich unabhängig zu sein!
Mehr zum “hörBücher”-Magazin gibt es im Internet. Dort kann man übrigens auch die ersten beiden Ausgaben kostenlos zur Probe bestellen.