“Krimi des Jahres 2004″ war Marek Krajewskis “Der Kalenderblattmörder” (dtv, 14,50 Euro) in Polen. Hochgelobt auch hierzulande das Werk vom Begründer des “polnischen Stadtkrimis”. Begeistert schließlich bin auch ich - allerdings nur unter der Prämisse, dass man die 331-seitige Geschichte weniger als Krimi denn als historisierenden Roman sieht.
Kriminalrat Eberhard Mock ist ein Ekel. Er säuft, hurt und schlägt auch seine Ehefrau Sophie. Die hält es nicht mehr aus bei ihrem Mann und in Breslau, weshalb sie nach Wiesbaden flüchtet, um dort zwischen Amour und Glücksspiel zum Spielball der männlichen Interessen zu werden. Mock, den knallharten Knochen, wirft das aus der Bahn - zumal doch bald Weihnachten ist. Er lässt Sophie suchen und geht ansonsten seinen Geschäften nach, die nur selten etwas mit Ermittlungsarbeit zu tun haben.
Ach ja, inmitten dieses Plots gibt’s auch einen Fall, der sich eigentlich richtig spannend liest: Mehrere grausige Morde geschehen im Jahr 1927 in Breslau. Ein Mensch wird lebendig eingemauert, ein anderer kopfüber hingeschlachtet. Doch dieser Fall klärt sich nur am Rande, am Buchrande.
Dass ich dennoch von der Geschichte begeistert bin, liegt an der bildhaften, beschreibenden Sprache Krajewskis. Wie schon beim Debut “Tod in Breslau
” (btb Verlag, 9 Euro) brilliert der Altphilologe, wenn er die 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit ihren Exzessen und Extravaganzen beschreibt. Dazu kommt die Charakterzeichnung des Antihelden Mock - fertig ist ein hervorragendes Stück Literatur und eben weniger ein spannender Kriminalroman. Wer das weiß und trotzdem (oder gerade deshalb) zugreift, wird begeistert sein.
Der Kalenderblattmörder.