Gelesen: “Verblendung”
Posted in Gelesen on Juli 29th, 2007 by admin
Wieder einmal hat sich meine Auffassung bestätigt, dass auch bei Büchern gilt: Weniger ist manchmal mehr! Oder anders ausgedrückt: Wer über 600 Seiten schreibt, sollte eine wirklich gute Geschichte zu erzählen haben. Stieg Larsson hat sogar zwei gute Geschichten zu erzählen, was er gleich in einem einzigen Buch tut - zum Schaden beider Storys!
Der renommierte Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist veröffentlicht eine Enthüllungsgeschichte über den schwedischen Industriellen Wennerström. Nur ist die leider im Nachhinein nicht beweisbar und Blomkvist verliert deshalb einen gegen ihn angestrengten Gerichtsprozess. Die Folge: Der Mitherausgeber des Blatts “Millennium” muss für zwei Monate in den Knast und ist fortan beseelt von dem Gedanken, es dem zwielichtigen Magnaten heimzuzahlen mit einer diesmal wasserdichten Geschichte.
Zu diesem Zeitpunkt tritt Henrik Vanger, wiederum erfolgreicher Firmenpatriarch, in Blomkvists Leben und schlägt ihm einen Deal vor: Der verurteilte Journalist soll herausfinden, was mit Vangers Nichte Harriet vor 40 Jahren geschehen ist. Damals verschwand das junge Mädchen, doch trotz intensiver Recherchen Vangers ward sie bis heute nicht gefunden. Die Lösung des Rätsels, soviel ist ziemlich bald klar, ist innerhalb der Familie zu suchen. Sollte Blomkvist im Zeitraum eines Jahres die unmögliche Aufgabe lösen, winken ihm Geld - und kompromittierende Informationen über Wennerström.
So weit so gut: Beide Geschichten - Wirtschaftskriminalität hier und spannender Thriller dort - hätten in jeweils 300-seitigen Geschichten beste Lektüre garantiert. So stückelt Larsson allerdings die Plots aneinander, so dass man erst nach knapp der Hälfte des Buches so richtig in die Story hineingezogen wird. Nur dass Harriets Verschwinden dann schon 200 Seiten später - im Eiltempo - aufgeklärt ist und fortan Blomkvists Rache in den Mittelpunkt rückt. Diese wiederum nett erzählt, so dass man am Ende das Buch zuklappt und sich im positiven wie im negativen Sinne fragt: War da irgendwas?
Schade, der mittlerweile verstorbene Stieg Larsson hat mit “Verblendung” den ersten Teil einer Trilogie vorgelegt, die ich eigentlich schon fest auf meiner Wunschliste hatte. Nun warte ich aber lieber, bis es die folgenden Teile auch als Taschenbuch gibt, denn soviel Zeit muss sein.


