Rufus Beck scheint seit Monaten und Jahren omnipräsent in der Hörbuchszene. Seit der Schauspieler den Harry-Potter-Vertonungen auf grandiose Art und Weise seine Stimme leiht, taucht er auch immer öfter in anderen Produktionen auf. Seine Qualitäten liegen in der Bandbreite der Charaktere, die er stimmlich vertritt sowie deren Stringenz auch bei immer wieder durch Pausen unterbrochenen Mammut-Projekten wie den HP-Hörbüchern.
Jetzt also auch Jonathan Strouds “Drachenglut
“, bei der Beck wiederum seine Brillanz ausspielt. An seiner Performance ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil wird seine Lesung noch veredelt durch diverse Hintergrundgeräusche und Effekte (z.B. einem Hall innerhalb der Kirchen-Szenen). Das scheint mittlerweile bei Hörbüchern immer mehr in Mode zu kommen und schafft auch hier deutlich mehr Atmosphäre.
Weniger überzeugend die Story von “Drachenglut”. Jonathan Stroud erzählt von zwei Brüdern, die nach dem Tod der Eltern bei ihrer älteren Schwester leben. Die beiden verzogenen Gören haben allerlei Dummheiten im Kopf. Als einer der beiden - Michael - nachmittags auf einer nahen Anhöhe einschläft, kriechen die Eigenschaften eines unter ihm vor hunderten Jahren vergrabenen Drachen auf den Jungen über. Gleichzeitig lässt ein Pfarrer ein altes Keltenkreuz an der Dorfkirche ausgraben - was den Drachen aus dem Tiefschlaf weckt und seine in der Dorfgemeinschaft untergetauchten “Jünger” auf den Plan ruft.
Jonathan Stroud, Autor der erfolgreichen Bartimäus-Reihe, erfindet eine sagenhafte Geschichte, die jedoch nicht so richtig zünden will. Den aus der Ausgangslage ersponnenen Kampf Gut gegen Böse hat man anderswo schon besser gelesen und gehört. Der Showdown Drache, Drachenjünger und Dorfpfarrer (=Freund der Schwester) klingt wie aus dem Programm des Kinderkanals aufgenommen.
Kürzer als die 342 Minuten hätte die Geschichte gerne sein dürfen. Nur: Was bliebe dann noch übrig außer einer netten Ausgangsidee? Also Finger weg und lieber in die Bartimäus-Reihe investieren: Martin Semmelrogge, der diese Hörbücher liest, ist noch mehr oder weniger ein Geheimtipp und qualitativ mit Rufus Beck auf Stimmhöhe!