Gesehen: “Der rote Baron”
Posted in Gesehen on April 17th, 2008 by adminGestern war ich seit langem mal wieder im Kino. Wesel. Duselpassage. Außer zwei Freunde und mir wollte scheinbar keiner den Film “Der rote Baron” sehen. Super: Echte Wohnzimmeratmosphäre!
Zum Film selbst hatte ich im Vorfeld einige Rezensionen gelesen. Unisono gelobt wurden darin die schauspielerischen Leistungen u.a. von Matthias Schweighöfer, Joseph Fiennes und Til Schweiger (!). Allseits bemängelt: der Umgang mit den historischen Fakten. Beide Urteile kann ich unterschreiben. Vor allem verwirrte mich, dass im ganzen, 120-minütigen Film, nicht so recht deutlich wird, wie Manfred von Richthofen denn nun wirklich zum Krieg steht. Schemenhaft gezeichnet wird die Wandlung vom Saulus zum Paulus, doch täuschen Pazifismus-Statements gegenüber seiner großen Liebe (reizend mit französischem Akzent: Lena Headey) nicht darüber hinweg, dass er letztlich bis zum Schluss kämpfte und tötete.
Sieht man mal von diesen inhaltlichen Schwächen ab, erzählt “Der rote Baron” von einem zum Kriegshelden hochstilisierten jungen Aristokraten, der als Ritter der Lüfte auch den Respekt seiner Gegner verdient. Ein Kriegsheld wird hier beschrieben - garniert mit einigen wirklich sehenswerten Luftkampfszenen. Ausstattung und Kostüme sind authentisch, nur bei der Dramaturgie hapert es meines Erachtens gegen Ende deutlich: Richthofens Geschwader rückt zur großen Offensive aus, die gekonnt ins Bild gesetzt wird. Danach Rückkehr, kurzes Zwischenspiel und Tod des Barons im nächsten Kampf (der nicht gezeigt wird). Hier unterscheidet sich Babelsberg von Hollywood: In Amerika hätte man den Tod besser und als Teil einer Schlacht inszeniert. In der vorliegenden Produktion verzichtet man darauf. Bewusst? Keine Ahnung, aber der Film als solches bietet beste Kinounterhaltung. Kurzweilig. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.